Sitzung des Gemeinderats am Donnerstag, dem 17. November 2011
Haushaltsplan und Haushaltssatzung
Unsere Fraktion verweigerte dem Haushalt 2012 die Zustimmung nach folgender
Stellungnahme:
Die Einnahmenseite des
Verwaltungshaushalts
zeigt hoch erfreuliche Zahlen, für die wir das muss erwähnt
werden - alle miteinander nichts können: 1 Mio mehr Gewerbesteuer
(in 2012 voraussichtlich 6,9 Mio), der Einkommenssteueranteil der
Gemeinde steigt um fast 600.000 (also fast 4,7 Mio in 2012), rd.
100.000 (in 2012 also voraussichtlich 500.000) und der
Gemeindeanteil an der Umsatzsteuer steigt um rd. 45.000 (auf
voraussichtlich rd. 327.000).
Schwimmen wir jetzt im Geld? Natürlich nicht! Das Wachstum macht
nämlich vor den Ausgaben nicht halt: Die Personalkosten steigen um mehr
als 10 % , v.a. durch die Neueinstellungen in der Kinderbetreuung (Kinderhaus
Hohenbrunn). Die Kinderbetreuungskosten sind und bleiben d e r Ausgabenblock im
Verwaltungshaushalt, allein in der Kinderkrippe Hohenbrunn muss die Gemeinde
pro Kind und Jahr weit über 10.000 (10.347) zuschießen
(nach kommunalem Förderanteil!). Der sächliche Verwaltungs- und
Betriebsaufwand erhöht sich um 5%. Und die massive Erhöhung der
Kreisumlage um voraussichtlich 710.000 auf dann fast 4,7 Mio
verschlingt bereits ca. 40% der Mehreinnahmen.
Der Zuführungsbetrag zum Vermögenshaushalt fällt im Plan um
158.530 höher aus als in 2011. Einnahmenmehrungen werden durch
Ausgabenmehrungen also weitgehend kompensiert.
Da wäre ein deutliches persönliches Sparsignal des
Bürgermeisters nicht fehl am Platz. Als positives Zeichen hätten wir
erwartet, dass bestimmte Ausgaben (Einzelplan 1 und 3 des
Verwaltungshaushaltes) nach dem Jubiläumsjahr wieder auf
normale Größenordnungen zurückgefahren werden. Aber
die sonstigen Geschäftsausgaben, im Jubiläumsjahr verdoppelt, bleiben
bei 10.000. Die Verfügungsmittel des Bürgermeisters, im
Jubiläumsjahr um 50% erhöht, werden unverändert übernommen.
Für Öffentlichkeitsarbeit wurden im Jubiläumsjahr 60% mehr
ausgegeben und in 2012 sollen nochmals 12% mehr ausgegeben werden. Für
Maibaumaufstellung und Christkindlmarkt wurden im Jubiläumsjahr
10.000 nach 5000 in früheren Jahren angesetzt und nun
beibehalten und der Ansatz für vermischte Veranstaltungen
bleibt beim deutlich angehobenen Ansatz für 2012.
Mehr Bescheidenheit an dieser Stelle würde die Gemeinde natürlich
nicht wesentlich reicher machen. Das wäre natürlich v.a. Symbolik!
Aber Symbole und Signale, die der Bürgermeister setzt, sind nicht
unwichtig! Und man hätte auch den Anschein vermieden, dass man im
Bürgermeisterwahljahr besonders großzügig sein will.
Was den
Vermögenshaushalt
angeht, soll in 2012 ein großes Rad gedreht werden, 60% des
Vermögenshaushalts werden mit Einnahmen aus Grundstücksverkäufen
finanziert. D.h. Bürgermeister Straßmair traut sich zu, im kommenden
Jahr über 7,6 Mio durch Verkauf von gemeindlichem
Grundvermögen einzuspielen. Er will einen großen Teil davon
verwenden, um die Schulden aus dem MUNA-Kauf (4,5 Mio) zu tilgen.
Rein finanztechnisch
betrachtet bedeutet dies: Es kommt ordentlich Geld in die Kasse, das dann
für die schnelle Tilgung von Schulden - die aber keiner als Schulden
bezeichnen darf (dazu später noch) - verwendet werden. So weit so gut.
Man kann aber auch
genauer hinschauen.
Was machen wir hier eigentlich? Ist das alles wirklich so toll? Wir haben das
MUNA Gelände für 4,9 Mio gekauft und insgesamt (einschl.
Nebenkosten und Entwicklungskosten) 5,5 Mio fremdfinanziert.Wir haben nun
40.000m² Gewerbefläche, die wir für 200/m² anbieten.
Wenn wir allein diese Flächen verkaufen und das läuft ja
angeblich gut! -, können wir die Finanzierung des MUNA-Kaufs daraus
refinanzieren und machen noch einen ordentlichen Überschuss für
andere Aufgaben. Dazu kommen in 2012 Flächen des ehemaligen
Katastrophenschutzgeländes in der Größenordnung von
50.000m², die überplant und ebenfalls verwertet werden können.
Und trotzdem
gibt Bgm. Straßmair dem Verkauf der zynischerweise als
Gewerbegebiet Eichenwald benannten Flächen höchste
Priorität und rodet und verkauft dieses äußerst wertvolle
Stück Wald (bis vor wenigen Jahren noch Bannwald) vorrangig. Für uns
ist das nicht nachvollziehbar. Wir halten das für einen Skandal. So
sollte, so kann man den Vermögenshaushalt nicht finanzieren.
Es wird daran erneut klar, dass in Hohenbrunn die Aufstellung des Haushalts
als eine finanztechnische Pflichtaufgabe verstanden wird und der Haushaltsplan
wenig mit engagierter, ehrgeiziger Planung oder gar mit Sicherung einer
nachhaltigen Entwicklung zu tun hat.
Ergänzend und abschließend noch eine andere Bemerkung: Als gekonnte
Finanztechnik kann man auch die Präsentation der Schulden
bezeichnen. Der Gemeinderat hat vor einigen Jahren erreicht, dass im Vorbericht
die Schulden außerhalb des Haushalts explizit dokumentiert werden. Aber
in der Bürgerversammlung vor wenigen Tagen wurde lediglich eine pro Kopf
Verschuldung von 433 berichtet! Hinzu kommen Finanzierungen (sog.
kreditähnliche Rechtsgeschäfte) außerhalb des
Haushalts in Höhe von rd. 8,9 Mio oder rd. 990/Kopf, die mit
keinem Wort erwähnt wurden! Dabei ist noch nicht berücksichtigt (und
wird auch nicht erwähnt), dass unsere Investitionsbeiträge im
Zweckverband weiterführende Schulen (Neubau Gymnasium
Höhenkirchen-Siegertsbrunn, Sanierung der Gymnasien in Ottobrunn und
Neubiberg) ebenfalls gekonnte Finanztechnik! durch
Darlehensaufnahme des Schulzweckverbandes dargestellt werden. Diese
Verpflichtungen erscheinen nicht in unserer Schuldenstatistik, sie treffen uns
aber in den kommenden Jahren und Jahrzehnten mit voller Wucht über hohe
Umlagen. Auch darüber wurde und wird mit dem Bürger nicht gesprochen.
Baugesellschaft München Land
Entsprechend der Beschlussempfehlung des Haupt- und Finanzausschusses wurde
einstimmig festgelegt, dass die Einlage der Gemeinde Hohenbrunn bei der
Baugesellschaft München Land um 200.000 erhöht werden soll und
der Erbpachtvertrag ab sofort wieder auf 99 Jahre verlängert wird. Dadurch
behält die Gemeinde langfristig ihr Mitspracherecht bei der Belegung der
Wohnungen und ermöglicht einen sozialverträglichen Vermietungspreis
von 8,--/m².
Aufhebung des Bebauungsplanes 68 Alte Kiesgrube am Grasbrunner Weg
Der Bebauungsplan sollte aufgehoben werden, damit das Areal aus dem
Ökokonto entnommen und als Ausgleichsfläche für die im
Bebauungsplan 76 überplante Gewerbefläche Gewerbegebiet
Eichenwald herangezogen werden kann.
Damit wird eine Fläche, die sich über Jahre sehr positiv als
Magerstandort entwickelt hat, aufgegeben und soll mit erheblichem Aufwand
aufgeforstet werden. Wir stimmten gegen diese Maßnahme, die wir
allerdings gegen die Mehrheit im Gemeinderat nicht verhindern konnten.
Umstellung der Wärmeversorgung der Grundschule Riemerling auf
klimaneutrale Fernwärme
Der Gemeinderat beschloss einstimmig, dass die Wärmeversorgung der
Grundschule sowie Turnhalle und Schwimmbad Riemerling zum
nächstmöglichen Zeitpunkt auf klimaneutrale Fernwärme umgestellt
wird. Die Verwaltung wurde beauftragt, Vorarbeiten für eine gemeinsame
Ausschreibung mit den Schulen des Zweckverbandes Weiterführende Schulen
sowie der Carl-.Steinmeier-Mittelschule (Schulverband) zu tätigen und die
notwendigen Verhandlungen hierzu aufzunehmen. Der Gemeinderat ist über das
Ergebnis vor der eigentlichen Ausschreibung zu informieren.
DSL-Ausbau
Bürgermeister Straßmair gab bekannt, dass der Gemeinderat
entschieden hat, die Deutsche Telekom mit dem DSL-Ausbau
(Kabelverzweigerausbau) in Hohenbrunn zu beauftragen. Dadurch wird eine
hochwertige und zukunftsträchtige Breitbandversorgung garantiert, die den
geforderten erhöhten Bandbreitenbedarf voll erfüllt. Das Angebot der
Deutschen Telekom überzeugte im Preis-Leistungs-Verhältnis und in der
flächendeckenden Gesamtversorgung aller geforderten Teillose.
Martina Kreder-Strugalla
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